platte

Auf die Frage, welche drei Schallplatten man auf eine einsame Insel mitnehme würde, bekommt man meinst sehr vorhersehbare Antworten: Mit der ersten Wahl, typischerweise etwas wie der „Kunst der Fuge“ von J.S. Bach, möchte sich der Antwortengeber als Musikkenner zu erkennen geben. Danach folgt dann etwas Prägendes aus der eigenen Biographie, zumeist der Teenager-Zeit, wie zum Beispiel „nevermind“ oder „dark side of the moon“. Zu guter Letzt: Eine Schallplatte, die den aktuellen Zeitgeist einfängt – man studiere hierfür die aktuellen DJ-Charts und wähle dann je nach Geschmack ein Album von DJ Koze oder Daft Punk. Meine Wahl würde allerdings ganz anderen Kriterien folgen.

Als erstes würde ich das aktuelle Album der Band „Revolverheld“ mit mir führen. Der Grund hierfür ist einfach: Nach nur wenigen Takten würde ich die Nadel aus der Rille nehmen und es wären mir viele Stunden, vielleicht sogar Tage, gewiss, in denen ich das Singen der Vögel, das Rauschen der Blätter und des Meeres als reine Wohltat empfinden würde. Das liegt nicht nur an der eklatanten Unmusikalität dieser Band, sondern wird primär von der dahinter stehenden Geisteshaltung und Weltanschauung verursacht. Ein Festland mit Bewohnern, die ein Konzert dieser Band besuchen würden, erscheint mir als kein lohnendes Ziel für eine gewagte Überquerung des Meeres auf einem selbstgebauten Floß. Wenn eine Schallplatte also das Ziel hat, einem den Aufenthalt auf einer einsamen Insel zu versüßen, so wäre dieses Vinyl meine erste Wahl. Auch ist diese Schallplatte erste Wahl, wenn es darum geht, einem aufglimmenden Feuer Luft zuzufächern oder eine Toilettengrube zu buddeln.

Aus praktischen Gründen würde ich als zweites gerne „bad as me“ von Tom Waits zur Verfügung haben, wenn ich mich, auf mich allein gestellt, auf einem fremden Eiland wiederfinden würde. Inselfauna hat bekanntermaßen die Eigenheit, über Jahrtausende hinweg seltsame, zumeist unbekannte und gelegentlich gefährliche Unterarten hervorzubringen. Die Kombination aus dem kettenfahrzeugartigen Gesang von Tom Waits mit den schrotflintigen Gitarrenriffs von Keith Richards halten mit Sicherheit jedes bedrohliche Tier auf gebührenden Abstand. Anderseits: Sollte es auf der unbekannten Insel noch andere Menschen geben, so wären die säuselnden Songs, wie „face to the highway“, sicherlich in der Lage, jeden ängstlichen Ureinwohner aus dem Dickicht zu locken. Vielleicht würden sich bei diesen Stücken sogar kleine Nagetiere und Rotwild aus der Deckung wagen… und mein Abendessen wäre gesichert.

Und sollte ich der einsamen Insel doch einmal überdrüssig werden: Dann bräuchte es ein Album, dass genügend Energie liefert und mir den Mut gibt, um mich mit einem Floß ins Meer zu stürzen und Wind, Wetter und Strömungen zu trotzen. Mich schneller laufen lässt als die Kannibalen. Ein Album, dass in der Lage ist, einen Durchschnittsmenschen in den „Hulk“ zu verwandeln. Musik, die mir vermittelt, dass mich auf dem Festland aufrechte, kritische, engagierte, intelligente Menschen erwarten. So auf den Punkt gespielt, dass es wie Zielwasser wirkt: Die Kokosnuss wird den Revolverheld-Sänger direkt zwischen die Augen treffen. Ha! Mit der Wucht eines Bulldozers. Musik aus Reaktionen, Nervengift und Liebe . Wirbelstürme, Erdbeben, Monsterwellen – Musik, die noch mächtiger erscheint. Wozu Menschen fähig sind – wie der Mensch sein könnte: Davon der Soundtrack. Eine Schallplatte, die diese Kriterien erfüllt, ist das Debütalbum von „rage against the machine“.

 

 

 

 

 

 

 

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