Neue Single: „Schnäppchenjäger“

„Insight“. Geiler, englischer Begriff. Kannst Du eigentlich nicht übersetzen, ohne eine Horde an deutschen Worten zu bemühen: „Die Karten auf den Tisch legen“. Wenn es um die feinen, sprachlichen Unterschiede geht, empfehle ich „Die schreckliche deutsche Sprache“ von Mark Twain. Muss man gelesen haben. Ohne wenn und aber. Without a doubt.

Nee. Ich bleibe lieber beim Englischen. Und erlaube eine(n) „Insight“ zu diesem Song. Denn es kam so: Vor weit mehr als zehn Jahren hab ich einen Track gebaut. Der war grauenhaft, lag aber immer noch auf meiner Festplatte rum und glotzte mich an. Ich krieg es einfach nicht über´s Herz, sowas zu löschen. Ist ja wie das Herausreissen einer Seite aus dem Tagebuch. Geht nicht. Aber gegen eine Weiterentwicklung spricht ja nichts, oder?

Also aufmachen das Projekt. Kann weg. Kann weg, kann weg. Am Ende noch zwei Spuren übrig. Jetzt, was machst Du damit? Ach…ein „richtiger“ Track wird das ja eh nicht – da kannst Du die Basis ja auch dafür verwenden, um neue Software/Plug-Ins zu testen. Einfach mal so. Hoppla! Geil.

Diese Nummer wird ein Experiment. Ganz offensichtlich. Keiner wird das je hören. Also kann ich ja mal ein paar Sachen ausprobieren, die eigentlich „verboten“ sind. Oder zumindest verpönt: Drei Basslines übereinander. Zwei gegenläufige Kicks. Ein paar Vocals ohne „Hook“ – nur, um ein paar neue Vocoder-Tricks zu testen. Vocoder-Tricks? Wer nichts mit Musikproduktion zu tun hat, weiß nicht, wovon ich rede. Es geht um Effekte auf der Stimme. Aber das ist nicht entscheidend. Denn ich will auf was anderes hinaus:

Ich habe nicht nachgedacht. Einfach nur gemacht. Alle Regeln missachtet. Und heraus kam dieser Song. Der so klingt, als habe da jemand sich an Popmusik versucht. Ohne dabei Popmusik zu machen. Und das Ding wandert jetzt auf meine Festplatte. Und in spätestens zehn Jahren werde ich denken: „Was für ein grauenhafter Song!“. Und dann werde ich 57 von 59 Spuren löschen. Um damit dann neue Effekte zu testen. Und es wird wieder was entstehen.

Für mich zählt gerade gar nicht das Ergebnis, sondern der kreative Prozess, der dahin geführt hat.

Im Ergebnis gibt es noch eine textliche oder musikalische „Unwucht“? So what? Dann bleibt der Pinselstrich eben sichtbar.

„Gezielt“ hätte ich so eine Nummer nicht bauen können. Und das gibt mir zu denken.

Wer genau hinhört, wird in der Musik einige unerhörte Audio-Effekte finden. Nicht genug, um ein Patent darauf anzumelden. Aber für mich klangliches Neuland. Andererseits, wenn keine aktiven Kontrollmechanismen gerade greifen, lassen sich trotzdem (oder gerade deswegen) deutliche Einflüsse heraushören, die mich in den letzten Jahren beeindruckt haben. Eine Fuzz-verzerrte-Gitarre mit Harmonizer konnte ich gerade noch verhindern! Ich fand es sehr erstaunlich zu beobachten, welche Entscheidungen das Vorbewusstsein trifft. Wenn es um die Kick geht: Reines Bauchgefühl. Arrangement? Reine Gefühlssache. Und das Arrangement ist schon speziell.

Long story short: Nix geplant. Das kam dabei heraus.

Und jetzt, für alle Nerds, die noch mehr erfahren möchten:

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So sieht das Projekt aus.

Lustiges Detail: Ich bastel an der Nummer rum. Nachmittags. Meine Tochter im gleichen Raum. Mit ihren Freundinnen. Turbulent. Mir fehlt noch an einer Stelle eine gute Idee. Im „Funkloch“-Teil. Also alle Kinder vor`s Mikro: Und „Off- line!“-Rufen.

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Auch wenn Live-aufgenommene Gitarren hier nur im „Funkloch“-Teil zum Einsatz kamen: Das Zeug liegt bei mir am Boden rum, wenn ich Gitarren aufnehme. Und das hilft schon. Besonders der Kemper-Amp – der verschiedene Verstärker simulieren kann.

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„Tantra“ war der Ausgangspunkt. Ein Effekt, den ich auf den verbliebenen zwei Spuren des Original-Projekts getestet habe.

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Wie oben zu sehen: Eine Vocoder-Spur. Aber mit speziellen Settings. Dadurch wird der Effekt nur jede 1/16-Note hörbar. Und dann auch nur für 24% der Länge einer 1/16-Note – also sehr subtil!

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„DearVR Pro“ sorgt für die seltsamen Stereo-Effekte am Anfang. Spannendes Teil! Ich verstehe nicht genau, was es macht. Aber es macht was – läßt mich glauben, ich hätte keine Kopfhörer auf – wenn ich mit Kopfhörern Musik höre. Faszinierend.

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Die Effekte auf dem Gesang – hier habe ich vor allem die MaxForLive-Effekte „Autotuna“ und „Poly Vocoder“ ausprobiert.

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Und diese Effekte schließen sich dann an – auf den Gesangsspuren.

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So sah mein Arbeitsplatz bei der Aufnahme aus. Text immer noch auf Papier – und nicht digital. Und die Uhrzeit: 09:21 Uhr morgens. Vor zehn Jahren hätte ich Dir noch einen Vogel gezeigt. Aber inzwischen sind mir die Stunden von 9 – 15 Uhr fast die liebsten.

Zwischen 23 Uhr und 01:00 Uhr für mich in der Regel auch immer produktiv. Zum Musik machen – oder, wie heute, zum Blog-Schreiben.

Bücher über Musik

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Bücher über Musik sind natürlich genauso spannend wie Kochbücher: Bei dem einen hört Du nichts. Beim anderen riechst und schmeckst Du nichts. Eigentlich also zum Scheitern verurteilt. Aber dann gibt es da natürlich verschiedene Ansätze, warum es doch funktioniert. Noten zum Beispiel. Da hörst Du nichts. Kannst aber trotzdem was  lernen. Manchmal lernt man was über die Musiker*innen. Deren Haltung. Den Kontext. Also vielleicht doch nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und: Einige Musiker*innen haben ganz überraschende Wege gefunden, über Musik zu schreiben. Andere nicht. Was war ich von der Bruce Springsteen-Autobiographie enttäuscht. Andere schreiben über sich und ihre Musik – ohne sich anscheinend im Klaren darüber zu sein, was sie da gerade preisgeben. Bestes Beispiel, aber nicht im Bild, weil nur ausgeliehen, „Miles Davis – die Autobiographie“. Ein Offenbarungseid in Sachen „Drogen“. Äußert bizarr zu lesen: Man bekommt den Eindruck, ein musikalisches Genie hat einen ausgeprägten, „blinden Fleck“ in seinem Blick auf sich und die Welt. Das ich diese Lektüre nicht bereue, mag daran liegen, dass ich es mit einem Mojito in der Hand in Kuba verschlungen habe. Und im vorangegangenen Satz kann man schon mindestens zwei meiner eigenen blinden Flecke entdecken, wenn man mich etwas besser kennt.

Manche schreiben drauflos. Meistens chronologisch. Nach der zwanzigsten Biographie, die meist mit dem Elternhaus beginnt, war ich schon von diesem Ansatz extrem genervt. Schön, wenn manche Autor*innen sich Mühe geben, dieses Muster zu durchbrechen oder aufzulockern. Das „Beastie Boys Buch“ zuletzt wirklich erfrischend! Unbeschreiblich – oder würde hier zumindest den Rahmen sprengen. Sollte Dir das Buch irgendwo über den Weg kaufen: Blättere es durch und lasse deine Augen über die 571 Seiten schweifen – Du wirst sofort sehen, dass dieses Buch verdammt „bunt“ ist! Anderes Beispiel: Die Sachen von Glenn Gould. Glenn Gould interviewt Glenn Gould über – Glenn Gould. Da wird schnell klar: Der Typ hat sich ein paar Gedanken gemacht, was das Reden und Schreiben über Musik leisten kann – und was nicht.

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Manchmal geht es eigentlich weniger um Musik – sondern um einen Lifestyle: „Life“ von Keith Richards. Manchmal um das Mindset beim Musizieren, Produzieren und Mixen. Gelegentlich um sehr spezielle Aspekte: „klauen“, „Sampeln“ oder „Wie gestalte ich einen Schluß?“. „Mixing with you mind“ hat mir einige Augen geöffnet. Gibt es leider nur noch antiquarisch. Andere Bücher empfand ich als totale Flops. Oder sie waren für mich zum Zeitpunkt des Lesens nicht relevant. Zu spät oder zu früh. Aber grundsätzlich sind zwei von drei Büchern für mich durchaus hilfreich. Keine schlechte Quote! Das liegt aber auch daran, dass ich viele Bücher vor allem deswegen lese, weil sie mir von guten Freunden und Bekannten empfohlen wurden. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bedanken bei Ray, Paule, Gavin, Marleen und Marc – weil ich von ihnen so regelmäßig mit neuem Lesestoff versorgt werde.

Sorry, Erik, deine Buchtipps sind grauenhaft!

 

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Die erste Musik

Die erste Musik, an die ich mich erinnern kann: „Der Mond ist aufgegangen“. Dazu schwebend das Gesicht meines Vaters über meinem Kinderbett.  Seine Stimme bei manchen Noten brüchig, manche Tonhöhen eher zu erahnen als zu hören. Ich war da höchstens drei Jahre alt. Trotzdem erinnere ich mich noch gut an den Klang der Melodie und das damit verbundene Gefühl.

Etwas später: Je nach Windrichtung ein regelmäßiges „Bum-Bum-Bum-Bum“. Das Schützenfest, vier Kilometer entfernt. Wie kann ein „Bum“ so laut sein, dass es vier Kilometer entfernt noch zu hören ist?! Und warum ist da keine Melodie? Was finden Leute nur an „Bum-Bum-Bum-Bum“ gut, dass sie es den ganzen Abend lang hören wollen?

Diese beiden Erfahrungen sind mein Einstieg in die Extreme der Musik gewesen: Laut und leise. Melodie und Rhythmus.

Mein Cousin in Stuttgart ist viele Jahre älter. Er hatte eine beeindruckende Plattensammlung! Wenn wir dort zu Besuch waren, versank ich in in einer Traumwelt: Klänge, Cover und Kassetten. TDK-SA-90. Ich war sechs, sieben, acht. Die „Doors“. „Pink Floyd“ und die „Beastie Boys“. Der „Boss“. Kate Bush. Zu Hause im Radio lief nur „Nena“ und „Trio“. Auch schön. Aber irgendwie anders als „The Cure“. Meine erste Begegnung mit Robert Smith: Das Cover von „Starring at the sea“. Ein sehr alter Mann auf dem Cover. Das mußte wohl der Sänger sein. Falsch gedacht.

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Frühe musikalische Prägungen scheinen wichtig zu sein. Manchmal dachte ich einige Ecken weiter: Die frühe Steinzeit. Was gab es da? Leise: Das Einschlaflied. Ein säuselndes Werben und Balzen. Klagen und wimmern. Melodien.

Laut: Stammestänze. Tiefes Leid. Ausgelassenes Spiel. Kriegsgeheul. Lieder, die die monotone Arbeit erträglich machen und wiederkehrende Bewegungen in Rhythmus übersetzen.

Beziehen heutige Songs ihre Wirkung immer noch aus dieser evolutionär-tief-sitzenden Entstehung und Entwicklung?

Die „Doors“ haben sich immer wieder auf „alte“ Aspekte bezogen: Der Schamane. Dyonisos. Mythen, Natur und Zauberei. Alles klar. Völlig nachvollziehbar. Aber wie passen „The Cure“ und „Trio“ in dieses Bild?! Ist „The Cure“ nur eine Variante des Wimmerns?! Wie passt dann „Hot hot hot“ oder „The walk“ in diese Theorie? Oder die Band „Trio“? Welche Funktion hätten deren Lieder in der Steinzeit gehabt? „Turaluralu“ ein Wiegenlied. Aber „Da da da“?

Es wird oft gesagt, die Menschen wüssten noch ganz genau, wo sie waren, als Kennedy erschossen wurde oder sie von den Attentaten am elften September zuerst hörten. Ich weiß noch genau, wie ich zum ersten Mal „Captan Future“ sah und dabei die Musik von Christian Brun hörte. So klang für mich die Zukunft. Auch an die ersten Male „Dark Side of the moon“ und „Misplached Childhood“ erinnere ich mich gut. Es war früher Nachmittag und die Sonne schien in unser Wohnzimmer, als ich zum ersten Mal MTV einschaltete und dort mit offenem Mund das Video von „Money for nothing“ sah.

Und auch wenn es dann bereits einige Jahre später war: Ich weiß noch, wo ich mich befand, als ich das erste Mal „Bombtrack“ hörte. Oder „Unfinished sympathy“ und „Glory Box“. „Bullet with butterfly wings“. „Deck the house“. Vielleicht ist es zu weit gegriffen, für diese Lieder Vorbilder und Muster aus der Steinzeit zu suchen. Gewiss gehören diese Momente aber zu meiner eigenen, persönlichen Steinzeit, auf die ich mich mit meiner Musik, bewusst und unbewusst, immer wieder beziehe.

Was wurde aus MySpace?

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Was ist eigentlich aus meinem MySpace-Account geworden?

Für die jüngeren Leser*innen: In der Frühzeit des Internets war MySpace für einige Jahre DAS Ding, um eigene Musik hochzuladen und sich mit Freunden zu verbinden. Lange, bevor es Facebook, WhatsApp oder Spotify gab. Auf jedem Flyer von Clubs und Partys waren Links zu irgendwelchen MySpace-Profilen zu finden. „Du bist nicht bei MySpace?!!“ – den Satz kennt man immer noch, nur mit einem anderen Wort am Schluß. Und dann, ich erinnere mich noch sehr gut, hörte quasi von einem auf den anderen Tag, überall dieses Wort: „Facebook!“. Jeder sprach darüber. Neue Sachen sind toll, finde ich auch. Smartphones, Netflix, Kaffeevollautomaten. Aber übersieht man leider oft, was man durch neue Sachen verliert. Telefonzellen, Werbeunterbrechungen und fehlende Filtertüten. Ok, schlechtes Beispiel. Obwohl: Eigentlich gutes Beispiel, denn bei MySpace ist es so ähnlich. Eben noch die heißeste Seite im Netz – und dann der Absturz ins Bodenlose…

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Im November 2018 lag „MySpace“ nur noch auf Rang 4.392 der meistbesuchten Internetseiten. Im März 2019 wurde bekannt, dass MySpace alle Fotos, Videos und Audiodateien verloren hat, die in den Jahren 2003 bis 2016 hochgeladen wurden. Ursache war nach eigenen Angaben ein missglückter Serverumzug. Wegen der Sicherheitslücken und permanenten technischen Problemen wurde MySpace vom Magazin „PCWorld“ im September 2006 auf Platz 1 der 25 schlechtesten Internetseiten gesetzt.

Und heute habe ich mich tatsächlich mal wieder in meinen alten Account eingeloggt.

Ich kenne keine Plattform, bei der ein „Delete Profile“-Button leichter zu finden ist. Er ist einfach überall und auf jeder Unterseite prominent platziert. Warum nur?

Die Seite ist heutzutage grauenhaft. Stell Dir vor, Du triffst einen alten Schulfreund wieder, und er ist von diversen Unfällen entstellt und Du erkennst ihn kaum wieder. Er ist zudem betrunken und trägt eine Perücke. Speichel läuft aus seinen Mundwinkeln. Er spricht einen dir völlig unverständlichen Dialekt. Dem Geruch nach zu urteilen hat er sich seit Tagen nicht gewaschen. DAS ist MySpace im Jahr 2020.

Ich habe daraufhin mein Profil aktualisiert.

https://myspace.com/nilshoffmann

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Schule der magischen Musik – Staffel #5

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Im April startet die 5. Staffel meiner „Schule der magischen Musik“. Bei dieser Online-Schulung erhalten maximal 12 Personen über einen Zeitraum von 3 Monaten regelmäßigen Unterricht.

Dabei geht es nicht nur um das Lernen und Vertiefen von Funktionen der Musiksoftware „Ableton Live“, sondern um Deine kreative Arbeit im Ganzen. Wenn Du bereits Ideen (in der Session-Ansicht von „Live“) skizziert hast, dann lernst Du hier, wie daraus im Handumdrehen ein fertiger Track wird. Dafür zeige ich Dir die besten Workflows zum Arrangieren, für Automationen, das Mixing. Aber ich gebe Dir auch künstlerisches Feedback und mache Dir konkrete Vorschläge zu Deinem Projekt: Welche Noten im Bass Du verändern, verschieben, ergänzen oder weglassen könntest. Ich gebe Dir Tipps, wie Du den Bass-Sound noch interessanter bekommst. Ich weise Dich vielleicht auch auf (Denk-)Fehler hin – und zeige Dir dann Lösungen. Das geht nur in einer sehr kleinen Gruppe. Das geht nur, wenn man regelmäßig zusammen an Deinen Projekten arbeitet.

Und so läuft das ab:

Du bekommst sechs Online-Live-Sessions:

08.04.2020 – 20:00 Uhr

22.04.2020 – 20:00 Uhr

06.05.2020 – 20:00 Uhr

20.05.2020 – 20:00 Uhr

03.06.2020 (?) Da wollte ich eigentlich in den Urlaub…aber ich befürchte, das wird nix.

17.06.2020 – 20:00 Uhr

01.07.2020 (?) Und falls doch Urlaub, dann wäre das hier der Zusatztermin!

Solltest Du an einer Session nicht teilnehmen können, dann ist das kein Problem: Denn Du bekommst eine Video-Aufzeichnung jeder Session, durch die Du nichts verpasst und auch noch einmal alles nachschauen kannst.

Außerdem wirst Du für die Dauer des Kurses Mitglied in der geheimen Facebook-Gruppe der „Schule der magischen Musik“. Hier findest Du nicht nur zusätzliche Informationen und Tipps, sondern kannst auch sehr leicht mit mir und den anderen Teilnehmer*innen in Kontakt treten, um z.B. eine Frage beantwortet zu bekommen oder Dich auszutauschen.

Themen und Inhalte:

  • Drei verschiedene Methoden, um Material aus der Session-Ansicht optimal in das Arrangement zu überführen
  • Drei völlig verschiedene Strategien, um Arrangements zu erstellen
  • Wie Du die Session-Ansicht nutzen solltest, auch wenn Du eigentlich schon im Arrangement arbeitest
  • Sounddesign 1: Wie Du mit Instrument-Racks, Wavetable-Synth und Operator den richtigen Klang schmiedest
  • Sounddesign 2: Wie Du Audio-Effekte kreativ einsetzt
  • Sounddesign 3: Gruppenspuren und Sidechain-Techniken
  • Tastaturbefehle für ein flüssiges Arbeiten im Arrangement
  • Tipps und Tricks, um die verschiedenen Parts Deines Tracks überzeugend miteinander zu verbinden
  • Automationen einzeichnen, aufzeichnen und bearbeiten – unter besonderer Berücksichtigung der neuen Features von Live 10.1
  • Mixing Phase 1: Audio-Effekte für Einzelspuren (EQ, Compressor)
  • Mixing Phase 2: Audio-Effekte für Räumlichkeit und Tiefenstaffelung (Reverb, Panorama und Return-Spuren)
  • Mixing Phase 3: Volume-Mix
  • Und natürlich: Deine Themen, Deine Fragen und Wünsche werden vor jeder Session von mir abgefragt und werden inhaltlich berücksichtigt!

Für wen ist dieser Kurs geeignet?

Für komplette Einsteiger in die Welt von Live ist dieser Kurs nicht geeignet. Du solltest bereits wissen, worin sich MIDI- und Audio-Spuren unterscheiden, wie man einen Audio-Effekt auf eine Spur bekommt und wo man die Lautstärke der Spuren und das Songtempo einstellt. Dieses Basiswissen hat man sich in der Regel bereits nach wenigen Wochen und Monaten angeeignet. Ich erwarte kein Profi-Wissen von Dir! Weder im Bezug auf die Verwendung von Live, noch in den Bereichen „Musiktheorie“ oder „Mixing“.  Und ich werde dafür Sorgen, dass keine Aufgabe für Dich zu schwer (oder zu leicht!) ist.Individuelle Betreuung ist der Schlüssel: Aus gutem Grund gibt es eine limitierte Teilnehmerzahl, damit ich ausreichend Ressourcen habe, um auf alle Bedürfnisse und Fragen umfassend eingehen zu können. Außerdem solltest Du bereits in der Lage sein, einige Ideen für Tracks in der „Session-Ansicht“ von Live zu entwickeln. Das kann eine Melodie sein, eine Bassline oder eine interessante Akkordfolge, die Dir gefällt. Vielleicht ist diese Idee nur 4 Takte lang. Vielleicht fehlen noch Elemente, weil Du z.B. nicht weißt, welche Akkorde zu Deiner Bassline passen und wie Du sie findest: Umso besser!

Vielleicht bist Du aber auch schon seit einigen Jahren mit Live zugange – und willst Dir den „letzten Schliff“ bei einem Profi und „Ableton Certified Trainer“ holen, um mal zu sehen, welche Dinge ein Profi anders macht oder anders/effektiver angeht. Dann bist Du hier definitiv richtig!

Der Kurs ist ab 16 Jahre – für Teilnehmer*innen unter 18 benötige ich allerdings eine schriftliche Einwilligung einer erziehungsberechtigten Person.

Was benötige ich, um teilnehmen zu können?

Du brauchst einen Computer mit Internetanschluss. Eine (eingebaute) Webcam ist nicht zwingend notwendig, aber darüber könnten wir Dich in den Sessions nicht nur hören, sondern auch sehen!

Die verwendete Webinar-Software ist kostenlos und kann zu Beginn der ersten Session mit wenigen Handgriffen heruntergeladen und installiert werden. Für die Verwendung der Webinar-Software erhält Du zusätzlich vorab ein kleines Info-Video von mir. Keine Sorge: Es ist kinderleicht!

Du solltest die Version 10 von Live benutzen – ob in der Lite-, Intro-, Standard- oder Suite-Edition ist dabei nicht entscheidend. Hauptsache, es ist die 10er-Version…

Du bist noch unsicher, ob der Kurs für Dich richtig ist?

Ich berate Dich gerne: Stell mir deine Fragen und nutze dafür gerne das Kontakt-Formular auf dieser Website!

Ich werde Dir den Kurs nur empfehlen, wenn ich mir sicher bin, dass er Dich weiterbringt. Sollte ich eine Alternative (z.B. Videotutorials oder Einzelunterricht) kennen, die Dir vielleicht mehr hilft als dieser Kurs – dann habe ich kein Problem damit, Dir dann lieber diese Alternative an´s Herz zu legen!

Kosten/Teilnahmegebühr:

Alle 3 Monate zusammen: 250.-€ – oder 83,50 € pro Monat.

Treuebonus: Teilnehmer*innen aus den vorangegangenen Staffeln zahlen nur 230.-€!

Die genauen Zahlungsmöglichkeiten erfährst Du nach der Anmeldung.

 

Und so funktioniert die Anmeldung:

Melde Dich bis zum 06.04.2020 an!

Schreibe mir hierfür eine Mail mit dem Betreff  „Anmeldung“ an diese Adresse:

contact@nils-hoffmann.com

Oder nutze das Kontakt-Formular auf dieser Website!

Die Teilnehmer*innen-Zahl ist auf 12 Personen begrenzt. Wer sich zuerst anmeldet, bekommt einen Platz.

Dozent:

Nils Hoffmann

Ableton Certified Trainer und staatlich geprüfter Musikpädagoge

Autor der umfangreichsten deutschsprachigen Lernkurs-Reihe zu Ableton Live („Hands on Ableton Live“) mit mehr als 100 Stunden Tutorials.

Autor des Buches „Ableton Live – von der Saat bis zur Ernte“

Dozent von Kursen in Hamburg, Havanna, Wien, Paris und San Diego.

Bonus:

Teilnehmer*innen der „Schule der magischen Musik“ erhalten 10% Rabatt auf Tutorials der Reihe „Hands on Ableton Live“ und bis zu 30% Rabatt für Ableton-Produkte!

Du hast noch Fragen? Dann schreib mir jetzt!

Du willst Dich jetzt anmelden? Dann schicke mir einfach eine Nachricht!

Klicke dafür hier!


Und das sagen meine Schüler zu meinen Kursen:

„Ich kann den Kurs sehr empfehlen. Nils schafft eine tolle Atmosphäre in der sich Kreativität frei entfalten kann. Er hat wirklich auf jede Frage eine versierte Antwort und fördert die eigene Kreativität und Lösungsfindung. Die Möglichkeit, seine langjährige Erfahrung für Feedback zu den eigenen Tracks und Fortschritten zu nutzen, ist für Einsteiger wie mich Gold wert. Menschlich aus meiner Sicht eine Bereicherung. 5 von 5 Sternen.“

(David Falk)

„Dem David kann ich mich nur anschließen! Alle 2 Wochen Unterricht zuhause am eigenen Set zu haben , jede Frage sofort und unkompliziert beantwortet zu bekommen, ist ein echter Gewinn, den man nicht vergleichen kann mit dem Schauen von Tutorials . Zudem ist der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern sehr bereichernd. Ich hoffe ja, lieber Nils, dass es auch einen „Advanced“ Kurs gibt. Da möchte ich schon gleich auf die Liste gesetzt werden!“

(Mario Spacer)

„Bei Nils Hoffmann ist man durch die beispiellose Kombination aus Know-How zu sowohl Ableton als auch jahrzehntelange Erfahrung in Bereichen wie Gitarre, Klavier, Arrangement usw. bestens aufgehoben. Man bekommt alles zugänglich und anschaulich vermittelt und hat mit Nils zusätzlich einen sehr sympathischen und fähigen Lehrer, bei dem man schnell vergisst, dass das was man gerade tut, eigentlich als lernen bezeichnet wird.“

 (Áramis Moreno)

„Nils ist ein Fuchs!“

 (Heiko Schulz)

Meine Musikausbildung – die Jahre in Kassel

Du solltest diese Geschichte bis zum Schluß lesen. Ernsthaft. Denn gegen Ende kommt, wie in manchen Filmen, ein „Twist“. Da findest du heraus: Das Opfer ist in Wahrheit der Täter, die Leiche lebt noch und der Juwelenraub hat in dieser Form nicht stattgefunden, wie Du es die längste Zeit dachtest. Also dann: Kassel.

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Ich kam 1998 zum Musikstudium. Klassische Gitarre und Klavier. Davor hatte ich viele Jahre in Bands gespielt und diverse House- und Techno-Party besucht. Aber als ich nach Kassel kam hatte ich kurze Haare, trug die meiste Zeit Anzughemden und dachte ernsthaft, ich würde mein Studium als Gitarrist verlassen. Im Studium lernte ich Musik kennen, die ich durchaus interessant fand: Scarlatti, Mendelsohn, Corelli und irgendwann auch Bach. Allerdings wurden alle Student*innen dazu verdonnert, im Chor zu singen. Lobpreisungen auf Gott aus meinem Mund oder im Tenor die Matthäus-Passion? Das ging mir entschieden zu weit. Musiktheorie, Musikgeschichte, Instrumentenkunde: Da konnte ich was lernen. Und gleichzeitig stolperte ich in Kassel in eine völlig andere Welt: Elektronische Musik. Ich lernte DJs und Produzenten kennen und spielte bald in einigen Bars und Clubs: Stammheim, A.R.M. und Lolita Bar. Das diese Clubs und Musiker zur Speerspitze der elektronischen Musik in Deutschland gehörten, war mir weder klar noch wichtig. Mich interessierte es vor allem, neue Musik kennenzulernen, neue Hard- und Software zu benutzen und Live-Konzerte zu spielen, die ganz anders waren, als ich es mit meinen Bands zuvor erlebt hatte. Es wurde viel experimentiert und improvisiert. Was nur gut funktioniert, wenn man sich gut kennt und weiß, wo der andere gerade hin will. Wenn das gelingt, entsteht darüber natürlich auch eine vertrauensvolle Beziehung zu den Mitmusikern. Das Publikum in Kassel zu dieser Zeit war fantastisch: Es war offen und neugierig und man konnte daher ständig Neues ausprobieren.

Und während ich tagsüber lernte, wie Beethoven in seinen verschiedenen Phasen Klaviersonaten strukturierte, wie man grundtonverkürzte Sept-Nonen-Akkorde auflösen kann und welche Übungen die Präzision in meinem Ringfinger bei schwierigen Akkorden verbessern können – lernte ich nachts viel über die Kraft von Repetitionen, ADSR-Kurven und Sägezahn-Wellen. Es gefiel mir gut, in diesem Spagat zu leben: Einerseits individuell-angefertigte Konzert-Gitarren für viele tausend Mark zu spielen, andererseits am Abend die E-Gitarre für den Club auszuwählen, die eine Jägermeister-Dusche am besten wegstecken würde.

Was es für mich besonders spannend machte: Diese beiden Welten überschnitten sich in keiner Weise. Ich traf tagsüber beim Studium keine Leute, die ich am Abend zuvor im Club gesehen hatte und auch musikalisch hatten diese Welten nichts miteinander zu tun. Schon früh kam mir der Begriff „Ausgleichssport“ in den Sinn, nur wußte ich eigentlich nie, was meine Hauptbeschäftigung war und welche Welt dem Ausgleich diente. Und ich erkannte schnell, dass mir beides zusammen gut tat: Lernte ich tagsüber gewisse Regeln, welche Tonleitern gewissen Kompositionen zu Grunde liegen, musste ich am Abend lernen: Es sind die „falschen“ Töne, die moderne Musik richtig klingen lassen. Konkret: Über einem a-Moll-Akkord penetrant die Note „C#“ zu spielen ist deutlich mehr „Techno“ als die, eigentlich naheliegende, Note „c“ zu spielen. Bei Tag „Kontrapunkt“ und „Generalbass“, bei Nacht „Vocoder“ und „Step Sequencer“. Aber ich will hier nicht zu weit in die technischen und musiktheoretischen Details gehen.

Die grobe Richtung dürfte klar geworden sein: Während meiner Jahre in Kassel hatte ich eigentlich zwei Musikausbildungen. Die eine bei Tag. Die andere bei Nacht. Und auch wenn ich zu dieser Zeit starke Zweifel hatte, ob sich dieser Spagat nicht als großer Fehler herausstellen würde (anstatt sich mit Haut und Haaren für einen Weg zu entscheiden…) – so habe ich diese Jahre vollständig in dieser Ambivalenz gelebt. Viele Jahre später, natürlich, wird sich dieser Weg als clever herausstellen. Heute profitiere ich von beidem gleichermaßen. Privat und beruflich. Aber zu dieser Zeit war das keine bewußte Strategie – es hatte sich einfach so ergeben. Und ich hätte es mir nie vorstellen können, dass sich diese so unterschiedlichen Fäden einmal verknoten lassen zu etwas sinnvollem. Wie es ja schließlich gekommen ist. Aber das konnte ich ja nicht wissen, damals in Kassel.

Aus diesem Stoff könnte man einen sehr aalglatten, romantischen Hollywood-Film mit Happy-End machen. Wenn man die folgenden Facetten rausläßt und unterschlägt: Das Musikstudium hatte nichts mit Kreativität zu tun. Dabei liebe ich es ja vor allem, mir neue Songs und Tracks auszudenken. Kreativität ist aber ein Motor, der am Laufen gehalten werden will. Noch einen Tag länger in der Musikakademie – und mein kreativer Motor hätte einen irreparablen Kolbenfresser davongetragen. Es war wirklich knapp! Es ging nur um bereits geschriebene Musik, die oft viele hundert Jahre alt war. Nichts neues war erwünscht oder gefordert. Schnell kam ich mir vor wie ein Zirkusaffe, dem bewährte Kunststücke beigebracht werden sollten. Man benötigt Kreativität, um der geschriebenen Partitur einer Symphonie als Dirigent den eigenen Stempel aufzudrücken. Nur war ich leider nicht Dirigent. Sondern klassische Gitarre und Klavier. Um ein eigenes Stück bei der Abschlussprüfung spielen zu können, mußte ich einen unbekannten, klassischen Komponisten erfinden und ihn als Autor angeben. „Johannes Käfig“ – ein Wortspiel mit dem Namen „John Cage“, den es ja tatsächlich gab.

Und meine Kommiliton*innen waren von der übelsten Sorte: Feine Töchter von Zahnärztinnen und Architekten. Das verrückteste, was sie je im Leben angestellt haben, war, eine Tempoangabe in einem Ravel-Stück zu missachten und es 2 BPM schneller als gefordert zu spielen. Und das ist keine Übertreibung. Sich mit solchen Menschen umgeben zu müssen, fühlte sich für mich an, wie mit Migrationshintergrund auf einem AFD-Parteitag zu sitzen. Als Werder-Fan im HSV-Block. Mit einem Neon-Outfit auf einem „The Cure“-Konzert. Ab dem 4. Semester habe ich regelmäßig so getan, als würde ich telefonieren, um beim Betreten des Gebäudes oder bei Raumwechseln meinen Kommiliton*innen aus dem Weg zu gehen. Krass, oder? Vor allem, wenn man 5 Tage pro Woche die meisten Stunden des Tages an einem solchen Ort verbringt. Michael Ende nennt diese Spezies „die grauen Männer“. Obwohl wir 4 Jahre lang jede Woche Unterricht zusammen hatten, hat mich mein Gitarren-Professor nicht ein einziges Mal gefragt, wie es mir geht. Moderne Musik? Strawinsky. Von den Beatles hatte er schon gehört. Aber das ist ja keine richtige „Musik“.

Aber auf der anderen Seite auch nicht besser: Im Club (gemessen!) 117 dB. Schon 125 dB wären ein Düsenjet, mit den Ohren direkt an den Turbinen. Noch einen Gig mehr – und ich wäre jetzt taub. Und das ist keine Übertreibung. Und die Menschen um mich herum mit Drogenproblemen wie aus „Trainspotting“. Mit allen sozialen Defiziten ausgestattet, die Drogenkonsum mit sich bringt. Lügen, Betrug, Unzuverlässigkeit, Selbstüberschätzung. Das gilt für das Publikum in den Bars und Clubs (von denen man dann sagt, im zugedröhnten Zustand könne man ihnen „Alle meine Entchen“ mit einer fetten Kick unterlegen – und sie würden es feiern!) genauso wie für meine musikalischen Mitstreiter. Dabei hatte ich zu ihnen, anders als zu meinen Kommiliton*innen, einen viel persönlicheren Draht. Daher war die Enttäuschung hier auch um einiges größer. Und wenn man einmal morgens um 11 Uhr einen Techno-Club bei Tageslicht gesehen hat, ist jegliche Romantik sowieso dahin. Und, wenn ich ehrlich zu mir bin, habe ich bei Nacht gelegentlich auch die Kontrolle über mich verloren und einige Male eine gruselige Figur abgegeben. Leider kann ich mich heute noch an alles erinnern. Einiges davon würde ich gerne ungeschehen machen. Nicht nur musikalisch. Denn es war die Zeit der MiniDisc-Recorder und damit ließen sich die Konzerte digital mitschneiden. Was ich da später hören konnte, war kilometerweit von der Erinnerung entfernt, die ich von manchen Abenden im Kopf gespeichert hatte. Oder eher: Lichtjahre. Immerhin habe ich für mich daraus die Lehren gezogen – und eigentlich nichts davon hat sich seitdem in diesem Maß (oder sollte ich besser sagen: Maßlosigkeit…) wiederholt. Wilder kann es im „Studio 54“ in den späten 70ern eigentlich auch nicht zugegangen sein. Und nicht jede Sequenz in Reportagen und Dokus über das „Studio 54“ ist ausnahmslos appetitlich.

Was man in einem aalglatten Film also als zwei Welten darstellen könnte, die sich gegenseitig befruchten, könnte man das auch genauso gut als zwei Höllen verfilmen, in denen man gefangen ist. Das wäre der Film, bei dem David Lynch Regie führt. Nicht unterschlagen sollte ich, dass ich in beiden Welten jeweils einen „Freund fürs Leben“ gefunden habe, mit denen ich bis zum heutigen Tag jede Sorge besprechen kann.

Und ich werde jetzt keine „abschließende Betrachtung“ schreiben, um mit einem pädagogischen Hintergedanken diese Geschichte vielleicht mit Ratschlägen für angehende Musiker*innen abzuschließen. So war es zu dieser Zeit bei mir. Es hatte sich nun mal so so ergeben.

Dürfte ich mir aussuchen, wer diese Episode aus meinem Leben verfilmen sollte, dann würde ich William Shakespeare wählen. Denn er hat ohne jeden Zweifel verstanden, wie nah Komödie und Tragödie manchmal liegen können und wie schnell sich erhabene Momente mit Banalitäten und Abgründen vermischen können. Leider wird sich dieser Wunsch niemals umsetzen lassen – genau so wenig, wie herauszufinden, was wohl gewesen wäre, wenn ich nur in der einen oder anderen Welt gelebt hätte…

Auf Tour #3

Die vielen Städte auf Tour. Da stellt sich ja die Frage: Wieviel bekommt man davon eigentlich zu sehen?

Zwischen Ankunft im Hotel und Soundcheck ist etwas Zeit. Zwischen Abendessen und Konzert auch. Nach dem Konzert noch „die Stadt unsicher machen“? Eher nicht. Also: Was ist hängen geblieben?

In Lübeck zu Niederegger – Marzipan kaufen. Lübeck kenne ich gut. Einmal bei der „Schiffergesellschaft“ vorbei und die aktuelle Speisekarte studiert. Mainz? Nie zuvor gewesen. Überraschend schön. Besonders mit klassischer Musik im Kopfhörer. Chris Thile spielt „Bach“. Dazu die mittelalterliche Stadt. Paßt. Vor schönen Schaufenstern gestanden. Und alle Geschäfte bereits geschlossen. In Mannheim: Spaziergang über den Friedhof – weil er nah beim Hotel war. Hannover: SSD-Festplatten kaufen beim „Saturn“. Köln kenne ich wieder gut. Schuhe kaufen. Meyersche Buchhandlung am Neumarkt: „Alte Meister“ von Thomas Bernhardt für den Posaunisten kaufen. Nürnberg: Weit ausserhalb der Stadt ein Spaziergang durch ein wenig attraktives Industriegebiet. Osnabrück – Plattenladen und Antiquariat. Bremen: Entlang der Weser, Sögestrasse, Handabdruck von Pizarro und Stadtführung für die Mitmusiker, die Bremen nicht so gut kennen. Düsseldorf: Fotografieren im Hafen. Husum: Wochenmarkt im Regen. Dresden: Freunde treffen, kubanische Bar und vietnamesisches Restaurant. Leipzig: Kupferstiche in den Rathaus-Arkaden gekauft. Thomaskirche. Bach-Grab. Bach-Fanshop geplündert.

Wieviele Klamotten packt man ein für einen Monat auf Tour? Für jeden Tag ein T-Shirt und frische Socken? Falsch. Für jeden Tag brauchst Du zwei Mal Klamotten, denn Du willst ja nicht mit Konzertkleidung nach dem Konzert rumlaufen. Durchgeschwitzt. Also großer Koffer. Für 20 Tage Tour daher eher für 40 Tage dabei. Ja: Ich war vor der Tour shoppen. Jetzt besitze ich 40 Unterhosen und 40 Paar Socken. Entsprechend groß der Koffer auf Tour. Und dann kaufst Du Schuhe. Und Kupferstiche. Und noch so einiges anderes. Irgendwann geht der Koffer einfach nicht mehr zu. In der Mitte der Tour einen Tag frei. Freunde treffen in Frankfurt und dort privat übernachten. Waschmaschine und Trockner! Es hätte also doch gereicht, nur für 20 Tage zu packen. Wußte ich vorher nicht. Nach der Tour habe ich mir einen Trockner gekauft. Darin sind die T-Shirts aus dem Bach-Fanshop eingelaufen.

Auf Tour #2

Jedes Konzerthaus ist anders. Das Catering. Die Mitarbeiter. Das Publikum. Die Stadt drumherum. Vor allem aber: Der Sound.

Es gibt „das Amphitheater“. Die „Mehrzweckhalle“. Den „Club“. Was ich spiele klingt immer gleich. Es kommt aus meinem Computer. Ich verwende für meine Gitarre keinen Verstärker, sondern einen „Kemper“: Ein digitales Gerät, das verschiedene Verstärker simuliert und daher in jedem Raum den gleichen Sound ausspuckt, da keine Mikrofone zum Abnehmen einer Lautsprecherbox mehr im Spiel sind. Was ich während des Konzertes höre, hängt nicht mehr von Monitorboxen ab – denn ich habe einen „Knopf“ im Ohr oder Kopfhörer auf, die mich von der Außenwelt abschotten und mir eine optimale Hörsituation bieten.

Und trotzdem. Ist die Bühne hohl (wie in Bremen) – nehme ich über meinen Körper Schwingungen wahr, die manchmal so stark wie bei einem Schiff in schwerer See ausfielen. War die Bühne solide (wie in Husum oder Osnabrück) – hatte ich tatsächlich festen Boden unter den Füssen. Und dann die Beschaffenheit der Wände: Waren es Teppich-ähnliche Materialien, kam nichts aus dem Zuschauerraum zurück. Waren es Beton- oder Ziegelwände (wie in Dresden) – spielte ich eine Note auf der Gitarre und konnte sie gefühlte zwei Sekunden später zurückprallen hören – trotz des eigentlich außenweltabschirmenden Knopfes im Ohr. In diesen Fällen ist es so gut wie unmöglich, eine gute Show zu spielen, denn man hat nur zwei gleichermaßen schlechte Alternativen zur Wahl: Man hört sich entweder selbst mit Verzögerung (und wird dadurch beim Spielen so irritiert, dass man den Rhythmus nicht mehr „tight“ durchhalten kann…) – oder macht den „Knopf im Ohr“ so laut, dass man die Verzögerung aus der Halle kaum noch wahrnimmt. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden.

Seitdem habe ich einen, nur sehr langsam milder werdenden, Tinitus (also Piepston) im Ohr. Wie muss es Leuten ergangen sein, bevor es diese „Knopf im Ohr“-Technik gab? Wie muss es sein, wenn man nicht 20 sondern 200 Konzerte spielt? Es gibt eine Band namens „Fischer-Z“. Von denen gibt’s einen Song:“Going deaf for a living“. Ich glaube, da geht’s genau darum. Sicher bin ich mir nicht. Die habe ich gehört, bevor ich richtig Englisch konnte. Deswegen hab ich die Texte seinerzeit nicht wirklich verstanden.

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